Kunst “im Gehäus”

Es ist es schon nun einige Monate her, daß ich in einem ernsthaften Erwägungsprozeß „Kunst mit Konferenztechnik: Ja oder Nein?“ Teilnehmer, Freunde und Bekannte befragte, was sie von einer Kunstgeschichte im modernen Gewand halten würden. Die meisten damals Befragten rieten mir ab, weil unsere Kunstgespräche spontan und emotional seien und die persönliche Ansprache durch nichts zu ersetzen wäre. Und die fremde Technik sei ein Hemmschuh für das Gemeinschaftserleben, was vor allem Ältere zu Fall bringen würde. Nun bin ich seit Wochen damit beschäftigt, mich technisch „schlau“ zu machen und dem ein oder anderen über die Hürden der Zoom-Einwahl hinweg zu helfen. Nie hätte ich gedacht, daß die damit verbrachten Stunden „emotionaler“ sein würden, als die ganze Kunstgeschichte der letzten Jahre! Zunächst natürlich einmal für mich selbst, weil ich nie ein Technikverständnis von Grund auf erlernt habe, sondern ein stückchenweises Zusammenfummeln für meine Bedürfnisse ausreichend fand. Auch habe ich mir das ganze Computervokabular nie angeeignet. Die Dialoge mit meinem nervenstarken Gatten hätten Stoff für eine erheiternde Satire abgegeben. „Kannst Du mal bitte kommen? Das eine Dings funktioniert nicht und geht auch nicht weg und das Bild, das ich haben will kommt nicht“. „Was für ein Dings?“ „Ich weiß nicht wie das heißt. Wenn man eben auf diese eine Taste drückt.“ Und was hast Du eben gemacht? Wie bist Du dahin gekommen?“ „Ich weiß es nicht. Es passierte. Eigentlich habe ich gar nichts gemacht.“ Und von meinen Flüchen bezüglich unserer technikaffinen Gesellschaft will ich gar nicht reden. Aber als es dann erste Erfolgserlebnisse gab und ich sicherer wurde, kam auch der Spaß und die gute Laune zurück. Ich und Wir haben dann einer ganzen Anzahl Menschen dabei geholfen das Licht meines Studierzimmers zu erblicken, welches sich in ein Sende-und Empfangsstudio verwandelte. Eigentlich ist damit ein Menschheitstraum in Erfüllung gegangen: Guck-Telefon! (Mit 14 wäre ich dafür noch durch die Hölle gegangen…) Klar habe ich vor Jahren schon geskypt, aber die Verzögerungen machten es irgendwie uninteressant. Dieser Tage nun zoome ich mit ganzen, fast verlorenen gegangenen Gruppen und es ist ein tolles Wiedersehen. Nicht nur zwischen mir und den Teilnehmern, sondern auch innerhalb der „Community“. An einen Künstler mußte ich immer wieder denken: an Leonardo, den genialen Ingenieur, der u.a. Flugmaschinen konstruierte und in unserer Zeit sicher freudig an diesen Neuerungen partizipiert hätte und an das Bildmotiv des „Hl. Hieronymus im Gehäus“ besonders schön bei Dürer, der in seiner Studierstube fleißig seine Übersetzungen tätigt und in bester Gesellschaft, nämlich der eines friedlichen Löwen Schriften und Bücher studiert und sicher auch Bilder betrachtet und damit die „Welt“ bei sich zu Gast empfängt. Beides Renaissancekünstler, Zeitalter der „Wiedergeburt“… und in der Stunde dann mehr davon…

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