Die Pandemie treibt die digitale Lebensweise unbarmherzig voran. Technikprofiteure können sich freuen, aber die Kulturbereiche sind in höchstem Maße analog aufgebaut und mit Unterbrechungen seit mehr als einem Jahr heruntergefahren und geschlossen. Vorwärts geht es in der Kunstgeschichte zur Zeit nur mit Videos zur Kunst oder Zoomzusammenkünften.

Gestern „war“ ich mit Kollegen zur Ausstellungspreview und Weiterbildung in der Kunsthalle und beim Motte-Kurs in Ottensen. Aber in Wirklichkeit zuhause am Schreibtisch. „Wirklichkeit“? Ein dehnbarer Begriff, der bei meiner Arbeit in höchstem Maße mit Orten zu tun hatte, wo Bilder – gut gesichert – an den Wänden hängen oder wo Menschen für kunstreflektierende Gespräche in einem Raum zusammen kamen.
Der Kunstdialog hat, was das Werkzeug betrifft, in meiner Arbeitserfahrung schon mehrere Pirouetten gedreht. An der Uni wurden noch Dias geschoben, in meiner Arbeitspraxis habe ich zu Anfang noch mit Folien gearbeitet und galt in der VHS – weil ich vor einigen Jahren – auf einen Beamer, Leinwand und Laptop bestand, als Speerspitze der technischen Innovation. Nun zoome ich. Aber kann soviel Veränderung noch gesund sein? Tja, Blickwinkeldialektik. In Abwägung zur Coronainfektion wahrscheinlich. Im Verhältnis zu meinem Arbeitsverständnis so gesund, wie jemand der dauerhaft Schluckauf hat.
